Lebenszeichen

6. und 7. November 2020

 

 

 

 

Badenweiler: 6. November 18 Uhr  I  7. November 15 / 17 und 20 Uhr

Drei einzigartige Konzerte am 6. und 7. November 2020 verdeutlichen, dass ein anspruchsvolles, attraktives Angebot an klassischer Musik in ihren klangvollen Facetten auch in Zukunft in Badenweiler zu Hause ist. Mit drei unterschiedlichen Konzerten erleben Sie eine Vielfalt, die wir in Zukunft bieten werden.

Wir setzen Lebenszeichen für die Musik in Badenweiler jetzt und dann im April 2021, bevor im Herbst 2021 die Musiktage mit einer weiterentwickelten Programmatik in musikalischer Vielfalt auf höchstem Niveau fortgesetzt werden.

 

Denn Musik ist unser Leben

 

Wir respektieren aktuelle Gesundheitskonzepte und setzen diese konsequent mit Schutzmasken und viel Abstand durch. Das wird die Anzahl der Plätze erheblich reduzieren – deshalb die Konzertwiederholung am Nachmittag des 7. Novembers und unsere herzliche Bitte: Reservieren Sie Ihre Plätze rechtzeitig unter www.reservix.de

 

Freitag, 6. November | 18 – 19.15 Uhr

Badenweiler, Kurhaus – René Schickele Saal I 30 Euro

Anschließend auf ein Glas Wein im Gespräch

Zur Platzreservierung


 

Musik überlebt alles

 

Erwin Schulhoff (1894-1942)
Fünf Stücke für Streichquartett (1923)
Allegro  –  Alla valse viennese  –  Allegro con moto  –  Alla Serenata. Molto Allegro  –  Alla Czeca. Andante

Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847)
Aus „Vier Stücke für Streichquartett“ op. 81
Nr. 3 Capriccio

Erwin Schulhoff
Hot-Sonate für Saxophon und Klavier (1930)
Vier Sätze ohne Bezeichnung

Friedrich Gernsheim (1839-1916)
Streichquartett Nr. 5 A-Dur op. 83 (1911)
Allegro non troppo  –  Molto vivace  – Andante sostenuato e molto cantabile – Allegro vivace e con brio

***
Kurt Weill (1900-1950)
Yuokali – Tango-Habanera für Saxophon, Streichquartett und Klavier (1930)

 

Diogenes Quartett
Stefan Kirpal, Violine
Gundula Kirpal, Violine
Alba González i Becerra, Viola
Stephen Ristau, Violoncello

Harry White, Saxophon
Hansjörg Albrecht, Klavier

 

Komponisten und Werke – im Mittelpunkt Erwin Schulhoff (1894–1942)

Der Holocaust setzte der blühenden tschechischen Musik der 1930er Jahre ein jähes Ende – und mit ihr der Kammermusik. Als Gideon Klein, Pavel Haas, Hans Krasa und mit ihnen eine ganze Generation tschechisch-jüdischer Komponisten ermordet wurden, war die gesamte Vorkriegsentwicklung der tschechischen Musik ausgetilgt. ERWIN SCHULHOFF, der bekannteste Komponist seiner Generation, als Kommunist, Jude und „entarteter“ Komponist gleichermaßen verfolgt, starb 1942 in einem Lager. Er, der als Expressionist begonnen hatte und sich über die Neue Wiener Schule und den Dadaismus zum meist beachteten Vertreter der tschechischen Moderne entwickelt hatte, war in seiner chamäleonhaften stilistischen Vielfalt und der Leichtigkeit seines Schaffens nicht wenigen suspekt: Schulhoffs Musik sei zwar handwerklich hervorragend gemacht, doch „zum großen Teil Klischee". Unbegreiflich ist dies aus heutiger Sicht, denn Schulhoff offenbart in fast jedem Werk eine unverwechselbare Originalität von kraftvoller Eigenart. Schulhoffs Streichquartette entstanden in den 1920er Jahren. Mit seinen Fünf Stücken für Streichquartett gelang ihm 1924 in Salzburg der Durchbruch.

 

FELIX MENDELSSOHN-BARTHOLDY zählt neben Gustav Mahler zu den „prominentesten“ verfemten Komponisten. 1936, in der Nacht vom 9. zum 10. November (zwei Jahre vor der Reichsprogromnacht), entfernten die Nationalsozialisten das ihm zu Ehren 1892 errichtete Denkmal vor dem Leipziger Gewandhaus.

 

FRIEDRICH GERNSHEIM zählt heute zu den vergessenen Komponisten. Der deutsche Spätromantiker, Pianist, Dirigent, Komponist und Musikpädagoge, der mit Johannes Brahms eng befreundet war, schuf u. a. vier Sinfonien, zahlreiche Instrumentalkonzerte und ein umfangreiches Oeuvre für die Kammermusik. Der Nationalsozialismus verbannte und verbot seine Musik. In dem von den Nazis 1940 veröffentlichten „Lexikon der Juden in der Musik“ erschien sein Name gleich in der ersten Auflage.

 

 

Weitere Erläuterungen zu den Werken nach dem Konzert im Gespräch bei einem Glas Wein.

Samstag, 7. November | 15 – 16 und 17 – 18 Uhr

Badenweiler, Pauluskirche  I  Das Konzert wird wegen stark verringerter Platzauswahl zwei Mal gegeben. I 20 Euro

Zur Platzreservierung 15 Uhr

Zur Platzreservierung 17 Uhr


 

Verfemt.Verboten.Jazz

 

Kurt Weill (1900–1950)
Zwei Songs für Saxophon und Orgel (1934/1942)
Complainte de la Seine | Buddy on the Nightshift

Walter Braunfels (1882–1954)
Toccata, Adagio und Fuge f-moll op. 43 für Orgel (1933–1942)

Erwin Schulhoff (1894–1942)
Six Esquisses de Jazz für Saxophon und Orgel (1927)
Rag | Boston | Tango | Blues | Charleston | Black Bottom

Aaron Copland (1900–1990)
Passacaglia for piano (1921/22)
(Orgelfassung: John Fesperman)

Henriëtte Hilda Bosmans (1895–1952)
Arietta für Saxophon und Orgel (1917)

Béla Bartók (1881–1945)
Rumänische Volkstänze Sz. 56 für Saxophon und Orgel (1915)
Tanz mit dem Stabe | Bràul | Der Stampfer | Tanz aus Butschum | Rumänische Polka | Schnelltanz

***
Eman Balzar (Pseudonym von Erwin Schulhoff)
Susi Fox-Song für Saxophon und Orgel (1937)

 

Harry White, Saxophon
Hansjörg Albrecht, Orgel

In diesem Konzert für Orgel und Saxophon erklingen Werke von Komponisten, die von den Nazis verfolgt, verfemt, ermordet, verboten und teilweise vergessen wurden. Dazu zählen KURT WEILL, BELA BARTOK, WALTER BRAUNFELS, AARON COPLAND, die holländische Komponistin HENRIETTE HILDA BOSMANS – und ganz besonders ERWIN SCHULHOFF. Mit ihm verlor die Neue Musik eine ihrer experimentierfreudigsten und radikalsten Persönlichkeiten. Zunächst noch von der Tonsprache eines Max Reger, Richard Strauss, Claude Debussy oder Gustav Mahler beeinflusst, wandte sich Schulhoff nach den erlebten Gräueln des 1. Weltkrieges als Folge des Besuchs einer Berliner Dada-Soirée einer ästhetisch radikalen Richtung zu. Ihn faszinierte der in den 20er Jahren gefeierte Jazz, der vor allem getanzt wurde. Diese Jazz-Besessenheit, die auf eine ganze Generation befreiend wirkte, ergriff auch etliche andere Komponisten wie Hindemith, Krenek, Milhaud oder Schostakowitsch.
Schulhoffs Musik überlebte, trotz des Dritten Reichs, auf wunderbare Weise – eine Musik, der heute wieder neues Leben geschenkt wird.

Das Konzert regt an, Werke neu zu hören oder zu entdecken. Neu entdecken wollen wir auch die Pauluskirche als Spielstätte, die mit ihrer großen Orgel und einer wundervollen Akustik geradezu einlädt, sich auf vielfältigste Musik an einem besonderen Ort einzulassen. Das Konzert wird zwei Mal veranstaltet, da unter Schutzauflagen nur 60 Besucher eingelassen werden dürfen. Das Tragen einer Maske und eine Anmeldung sind erforderlich.

Walter Braunfels
Henriette Hilda Bosmans
Aaron Copland
Kurt Weill
Bela Bartók

 

Samstag, 7. November | 20 – 21.15 Uhr

Badenweiler, Kurhaus I 20 Euro

Zur Platzreservierung


 

Reflections

Frühling  –  Introspection  –  Gospodine Marquis  –  Modul 17  –  Cthulhus Dance  –  Simply That  –  Alles Walzer  –  Iceland

 

Kaleidoscope String Quartett

Eine Band ohne Notenständer verwebt Klassik und Jazz durch Improvisation und Anknüpfungen an weitere Genres zu einer eigenen Klangsprache. Eine Mélange aus fesselnder Rhythmik, stimmungsvoller Melodik und überraschenden Klangschichten.

Simon Heggendorn / Violine
Ronny Spiegel / Violine
David Schnee / Viola
Sebastian Braun / Cello

 

„Reflections” bietet neben Kompositionen von Simon Heggendorn und David Schnee auch Werke des Zürcher Zen-Jazz-Denkers Nik Bärtsch, von Mathias Rüegg, dem Leiter des legendären Vienna Art Orchestra, vom Wiener Kontrabassisten Georg Breinschmid, vom Filmmusik-Spezialisten und Klavier-Klangforscher Ephrem Lüchinger sowie von der Saxophonistin Nicole Johänntgen.

 

 

Musikerinnen und Musiker

 

DIOGENES QUARTETT   „Es muss ein Glücksfall gewesen sein, der diese vier Musiker zu einem Ensemble zusammengeführt hat“, schrieb die SZ über das Diogenes-Quartett. Im Jahr 1998 in München gegründet, arbeiten die vier Idealisten vor allem in den Anfangsjahren mit herausragenden Ensembles wie dem Amadeus Quartett und dem La Salle Quartett. Neben den Meisterwerken des klassischen und romantischen Repertoires legen sie Akzente auf die Aufführung unbekannter und zeitgenössischer Kompositionen.

Die Diskographie des Diogenes Quartetts ist vielseitig und umfangreich. Dabei ist die in Fachkreisen vielfach hochgelobte Gesamtaufnahme sämtlicher Streichquartette von Franz Schubert besonders zu erwähnen. Im Jahr 2019 erschien die erste CD der neuen Reihe mit den gesamten Streichquartetten und -quintetten des Brahms-Zeitgenossen Friedrich Gernsheim. Im März 2020 stellte Diogenes eine CD mit Werken von Max Reger vor. Konzertengagements führten das Quartett in viele Länder der Erde.

Die Interessen des Ensembles sind vielschichtig. Neue Konzertformen wie zum Beispiel sein Crossover Programm mit dem Max Grosch Jazzquartett sind ihm ebenso wichtig wie die Musikerziehung. So geben die vier Musiker seit vielen Jahren Konzerte speziell für Kinder, veranstalten Werkstattkonzerte an Schulen und bieten Kammermusikworkshops für junge Ensembles an. Zusätzlich engagieren sie sich seit dem Jahr 2015 als Botschafter für „SOS- Kinderdorf e.V.“.

Das Quartett verdankt seinen Namen der langjährigen Freundschaft mit dem ehemaligen Mitinhaber des Zürcher Diogenes Verlages Rudolph C. Bettschart.

www.diogenes-quartett.de

 

KALEIDOSCOPE STRING QUARTETT   „Wie inspirierte Musik klingt, zeigte zum Glück das Kaleidoscope String Quartett" (NZZ). Das KSQ dringt fulminant in Streichquartett-untypische Gebiete vor. Die vier klassisch und in Jazz ausgebildeten Musiker finden zu einer eigenen Klangsprache, die musikalische Grenzen auslotet und stets Anknüpfungspunkte zu Genres wie Jazz, Pop und Rock und zeitgenössischer Musik sucht. Kantige Grooves wechseln sich mit Klangmalereien ab und folkige Melodien stehen experimentierfreudigen Improvisationen gegenüber. Interaktion und Spontaneität sind zentral für das Ensemble, das sich mehr als Band denn als klassisches Quartett sieht und seine Performances ohne Notenständer gibt. Das Repertoire des KSQs besteht hauptsächlich aus Eigenkompositionen von Simon Heggendorn und David Schnee.

Seit seiner Gründung 2009 hat das KSQ zahlreiche Konzerte in der Schweiz und in Deutschland gespielt, auch an bekannten Festivals. Das Quartett tritt regelmässig bei Klassikreihen und Festivals auf, so bei den Murten Classics, in der Lucerne Festival Lounge oder im Kulturcafé der Elbphilharmonie Hamburg.

www.ksq.ch

 

HANSJÖRG ALBRECHT   zählt zu den wenigen Künstlern, die international sowohl als Dirigent als auch als Konzertorganist regelmäßig präsent sind. Er gilt als musikalischer Grenzgänger und Querdenker ohne Berührungsängste. Als Dirigent geht er konsequent eigene Wege – mit einem umfangreichen Repertoire von Bach bis Messiaen – und mit seinen Orgeltranskriptionen etablierte er sich als Spezialist unter den Virtuosen seines Instruments. Albrecht ist Künstlerischer Leiter des Münchener Bach-Chors & Bach-Orchesters (1954 gegründet von dem legendären Karl Richter). Daneben verbindet ihn eine langjährige Zusammenarbeit u. a. mit dem Opernhaus San Carlo Neapel, dem Kammerorchester Moskau, der Staatskapelle Weimar und dem CPE-Bach-Chor Hamburg. Er konzertiert weltweit in den bedeutenden Musikzentren, Konzerthäusern und Kathedralen und arbeitet dabei regelmäßig mit international renommierten Künstlern und Orchestern zusammen. Opernproduktionen dirigiert er u.a. in Neapel und Dubai sowie Ballett-Projekte mit den Tanzkompanien von Marguerite Donlon und Boris Eifman. Seit 2016 leitet er die Oratorienklasse am Mozarteum Salzburg und gibt regelmäßig Meisterklassen im In- und Ausland. Beim Label Oehms Classics legte er als Dirigent und Organist bisher über 25 vielbeachtete CDs vor und wurde u. a. 2013 für den GRAMMY Award nominiert. 2020 begann er mit der Aufnahme aller Bruckner-Sinfonien als Orgeltranskriptionen, die er bis 2024, Bruckners 200. Geburtstag, an Originalschauplätzen wie Linz, Wien, München, Luzern, Paris und London einspielen wird.

www.hansjoerg-albrecht.com

 

HARRY WHITE   Der amerikanische Saxophonist Harry White hat bei Paul Cohen, Lawrence Gwozdz und dem Saxophonpionier Sigurd Raschèr studiert. Die Jahre zwischen 1990 und 2001, in denen Harry White Altsaxophon im „Raschèr Saxophone Quartet“ spielte, betrachtet er als prägende musikalische Erfahrung. Als Mitglied des Quartetts spielte er zahlreiche Uraufführungen von Komponisten wie Luciano Berio, Philip Glass und Sofia Gubaidulina, und er trat in den bedeutendsten Sälen Europas und der USA auf: Carnegie Hall und Lincoln Center New York, Kennedy Center Washington D.C., Philharmonie Berlin, Royal Festival Hall London, Opera Bastille Paris, usw.  Zahlreiche CD-Einspielungen von ihm u. a. für Philips und Grammophon sind regelmässig bei DRS 2, Deutschlandfunk Berlin, Radio Stephansdom Wien, NDR Hamburg, SWR Baden-Baden zu hören. Als Orchestersaxophonist spielte er in vielen namhaften Orchestern, u. a. im Tonhalle-Orchester Zürich, in der Philharmonia Zürich (Orchester der Oper), im SWR Symphonieorchester und in den Berliner Philharmonikern. Harry White pflegt eine langjährige Zusammenarbeit mit den beiden Pianisten Hans Adolfsen und Edward Rushton und unterrichtet Saxophon an der Musikschule Konservatorium Zürich. (Foto: ©Ayse)

www.harrywhite.net

 

 

Wir danken allen Gönnern und Musikenthusiasten in und um Badenweiler herum, die uns bei der Organisation und Finanzierung der LEBENSZEICHEN-Konzerte unterstützen. Ein besonderer Dank gilt Herrn Pfarrer Dietmar Bader, der die beiden Orgelkonzerte in die Paulskirche einlud. Und last but not least freuen wir uns über jeden hoch geschätzten Rat von Annette und Klaus Lauer.


Veranstalter der Konzerte LEBENSZEICHEN ist die Badenweiler Touristik und Thermen GmbH. touristik@badenweiler.de

Hansjörg Albrecht und Hans-Hinrich Dölle (Intendant) planen und leiten die LEBENSZEICHEN: info@doelle-kultur.eu. Sie werden von einem engagierten Team aus Gönnern, Freundinnen und Freunden der klassischen Musik in Badenweiler unterstützt.

Da die Schutzauflagen die Zahl der Plätze an allen drei Veranstaltungsstätten deutlich verringern, ist eine Ticketreservierung sehr zu empfehlen.

Die Abendkasse öffnet 30 Minuten vor Konzertbeginn.

Es gilt die Maskenpflicht bei Ein- und Ausgang sowie die aktuelle Abstandspflicht.

Der Eintritt zum Konzert am 6. November kostet 30 Euro, die Tickets für die Konzerte am 7. November je 20 Euro.

 

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